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"The Archaeological Experience"

  • dvogel82
  • vor 6 Tagen
  • 4 Min. Lesezeit

Vor einigen Wochen habe ich ein Youtube-Video und die Werbung auf der Webseite der Davidsstadt gesehen und wusste sofort: Da will ich hin!


Bei der archäologischen Erlebniswelt «Emek Tzurim» kann jeder zum «Archäologen für einen Tag» werden und einen Schatz entdecken. Viele Besucher haben bereits beim Sieben von Fundmaterial aus den Ausgrabungen der Davidsstadt mitgeholfen und dabei seltene und besondere Fundstücke entdeckt.

Im Herzen des Nationalparks Emek Tzurim, umgeben von Olivenbäumen und einem mediterranen Wald, befindet sich ein einzigartiger Ort, an dem eine faszinierende und spannende Aktivität stattfindet – die archäologische Erlebniswelt der Davidsstadt.

Das archäologische Erlebnis ist eine unterhaltsame Erfahrung, bei der Besucher an der Siebarbeit teilnehmen und sich wie «Archäologen für einen Tag» fühlen. Die Aktivität ist für alle Altersgruppen geeignet, und viele Besucher haben bereits Schätze aus der Vergangenheit entdeckt.


Am Sonntag 14. Juni wurde ich dann tatsächlich zur "Archäologin für eineinhalb Stunden". Schon der Weg dorthin ist schön. Mit dem Bus fuhr ich bis auf den Mount Scopus ("Univeritätsberg") und ging dann 15 Minuten zu Fuss. Auf der einen Seite sieht man bis zum Toten Meer und nach Jordanien und auf der anderen auf die Stadt Jerusalem.




Ich war die einzige "Eineinhalbstundenarchäologin" heute, wurde sehr herzlich empfangen und bekam eine sehr interessante, lehrreiche Einführung von meiner Instruktorin Yael. Sie macht ihren "National Service" bei der Davidsstadt, wo sie Einblick in die verschiedensten archäologischen Projekte bekommt und inzwischen seit September beim "Archaeological Experience" Projekt arbeitet. Ihre Begeisterung für die Archäologie und Geschichte Israels ist ansteckend. Sie freute sich sehr, als sie mein Interesse und meine Begeisterung bemerkte, da sie oft Schulklassen führen muss von denen nicht alle Teilnehmenden motiviert und interessiert sind.



Dort wo auf dem zweiten Bild der Tempel zu sehen ist, wurden Ende des 7. Jahrhunderts der Felsendom und die Al Aqsa Moschee gebaut, die man auf dem vierten Bild erkennen kann. Auf der Südostseite des Tempelbergs (auf dem Bild mit dem Tempelmodell vorne links) liess Herodes der Grosse unterirdische Gewölbe erbauen, die als Erweiterung des Fundaments für den antiken jüdischen Tempel dienten. Während der Kreuzritterzeit dienten die Gewölbe als Pferdeställe, wehalb sie auch als "Ställe Salomo's" bekannt sind (obwohl sie zu Salomos Zeit noch gar nicht existierten). In den späten 1990er Jahren wurde dieser historische Hallenbau von der islamischen Waqf-Behörde aufwändig restauriert und in die "Al-Marwani-Moschee" umgewandelt, welche bis zu 7000 Gläubigen Platz bietet. Diese Bauarbeiten wurden ohne Absprache mit der israelischen Archäologischen Behörde getätigt und da sich der Tempelplatz unter israelischer Hoheit befindet, waren sie eigentlich illegal. Das Aushubmaterial wurde achtlos ins Kidrontal gekippt. Erst 2004 erhielt ein Team von israelischen Archäologen und Volontären die Erlaubnis, den Bauschutt zu untersuchen und das Projekt "Archaeological Experience" wurde ins Leben gerufen.


Es ging weiter in die Halle mit den "Siebstationen", wo mir Yael eine praktische Einführung gab. Es stehen Kessel bereit mit in Wasser eingeweichten Schuttportionen, die ins Sieb geleert und gut ausgespült werden. Dann wird die Erde abgespült und die Suche nach archäologischen Schätzen beginnt. Da Yael schon bald ein Jahr dort arbeitet, hat sie ein geschultes Auge für die verschiedenen Materialien, ich tat mich etwas schwer mit der Unterscheidung, aber nach dem dritten Kessel bekam auch ich etwas Übung. Die Fundstücke, die es vom gewöhnlichen Geröll zu trennen gilt werden nach Materialien sortiert: Keramik, Glas, Metall, Knochen, Mosaik, "Mörtel" und "besondere Fundstücke".



Am häufigsten findet man Keramikscherben aus verschiedenen Epochen. Ich fand Scherben von dickwandigen Gefässen mit eher groben Rillen als Verzierung aus der Zeit des ersten Tempels. Die Scherben von dünnwandigen Gefässen mit filigranen Linien stammen wahrscheinlich aus der Zeit des Herodianischen Tempels. Die Keramik und Glasscherben spielen eine wichtige Rolle bei der Datierung der Fundstücke. Ich machte keinen Sensationsfund, entdeckte aber eine Muschel mit goldschimmerndem Farbanstrich, die wohl als Schmuck getragen wurde, ein Stück Wirbelsäule eines kleinen Fisches, ein Mosaikstückchen, Steine mit Mörtelresten und diverse Knochenfragmente. Letztere sind gar nicht so leicht von Steinchen zu unterscheiden, die Knochenstücke sind jedoch hohl, was an der Bruchkante deutlich sichtbar ist. Ein Knöchelchen war stark angekohlt und Yael meinte, dass da wohl jemand ein leckeres antikes Barbecue genossen habe... Eines meiner Fundstücke, ein seltsam "verdrehter" Stein in dem ein Kügelchen steckte, wurde von Yael der Kategorie "besondere Fundstücke" zugewiesen, das von Fachleuten genauer untersucht werden soll.



Das aussortierte Material wird von archäologischen Mitarbeitenden vorsortiert und die interessanten Stücke kommen dann ins Archäologische Institut und werden von Experten untersucht und katalogisiert.

Zum Schluss zeigte mir Yael noch einige besondere Fundstücke, wie Schmuck und Münzen. Ich erhielt ein Zertifikat überreicht, welches mir bescheinigt, dass ich mitgeholfen habe ein Stück Jerusalemer (und biblische) Geschichte zum Vorschein zu bringen.


Rechts sieht man eine Münze, wie sie nach dem Sieben aussah - jetzt könnt ihr vielleicht verstehen, was ich meinte, dass die Fundstücke manchmal kaum von "gewöhnlichen" Steinen zu unterscheiden sind... Die Münze links wurde von Ablagerungen befreit und gründlich gereinigt. Sie könnte griechischer oder römischer Abstammung sein.



Auf diesem Bild ist rechts eine Schekelmünze aus der Zeit nach 66 n.Chr. zu sehen. Sie wurde von den Juden als Akt der Auflehnung gegen die römische Herrschaft eingeführt. Vorher war der Schekel ein Gewichtsmass. Die Prägung zeigt eine Dattelpalme und daneben zwei "Lulav's". Der Lulav ist ein Feststrauss, der im Rahmen des Laubhüttenfestes eine wichtige Rolle spielt. Die linke Münze ist ein 5 Agurot Stück (Schekel ist wie bei uns Franken und Agurot Rappen), welche dieselbe Prägung aufweist wie die fast 2000 jährige. Die 5 Agurot Münze wurde 2008 abgeschafft und seither wird auf 10 Agurot gerundet.



Vielleicht mag meine Begeisterung einigen von euch etwas merkwürdig erscheinen, aber mich faszinieren archäologische Stätten. Ich stelle mir gerne vor, wer dort gelebt hat und wie dieses Leben aussah. Meine älteren beiden Kinder haben früher gewitzelt: "Wenn man mit Mueti unterwegs ist muss man immer so alte Steine anschauen gehen..." Hier in Jerusalem, überhaupt in Israel, begeistert es mich, dass die Biblischen Berichte und Geschichten lebendig und greifbar (bei meinem Archäologie- Abenteuer wortwörtlich) werden. Das faszinierte vor knapp 30 Jahren auch unseren 4 jährigen Raphael. Als wir vom Tempelberg zum Garten Gethsemane spazierten meinte er: "Jesus und seine Jünger mussten gut aufpassen bei dem Verkehr!"

 
 
 

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