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Mein abwechslungsreicher Alltag in Israel

  • dvogel82
  • 12. Mai
  • 4 Min. Lesezeit

Am Bahnhof "Ytzchak Navon" in Jerusalem
Am Bahnhof "Ytzchak Navon" in Jerusalem

Eigentlich wollte ich diesen Beitrag gestern Abend schreiben, aber als ich von der Arbeit in der Kindertagesstätte zurückkam ereignete sich ein "Sanitärnotfall".

WICHTIG: wenn du jetzt gerade am Essen bist (oder es demnächst vorhast), überspringe den nächsten Abschnitt oder lies ihn später - es wird so richtig unappetitlich!


Zuerst drückte es bei der Toilettenspülung Wasser aus dem Abflussrohr zurück und setzte einen Teil des Badezimmers unter Wasser - Walter hatte jedoch diese Leitung erst vor ein paar Tagen entstopft. Dann bemerkte ich nach dem Abwaschen, dass auch in der Küche (schmutziges) Wasser stand. Als ich den Deckel am Boden öffnete wurde mir fast ein wenig übel: WC-Papierreste und ein "Gagel" kamen an der Verzweigung des Abflussrohrs zum Vorschein... Walter kam runter und versuchte erneut den Abfluss mit dem Hochdruckreiniger von draussen her zu entstopfen - ich sollte solange einen Deckel auf den Abfluss im WC drücken. Da hörte ich ein Zischen aus der Küche und rief Walter durchs Fenster zu, er solle aufhören, denn aus dem Loch im Küchenboden war eine Wasserfontäne mit dem vorher erwähnten Inhalt geschossen und hatte sich über Wände, Pfannen, Mikrowelle, Wasserkocher, einfach über alles ergossen, alles war braun gesprenkelt. Walter kam herein und rief aus: "Scheisse!", was in diesem Fall wortwörtlich zu nehmen war. Das Problem lag also nicht im Bad sondern zwischen Küche und WC, wobei Walter bis dahin dachte, dass die Abflüsse von Bad und Küche nicht zusammenhängen. Christine wurde dazugerufen, wir wischten das Allergröbste auf und spülten die Abflussleitung von der Küche aus nochmal durch. Das Problem war damit gelöst, Walter verschloss die Leitung im WC wieder, wir steckten all meine Küchenutensilien in den Geschirrspüler der Gästewohnung und ich putzte bis kurz vor Mitternacht Küche und Badezimmer. So sauber war es hier unten wahrscheinlich schon lange nicht mehr! Nun werdet ihr sicher verstehen, warum ich diesen Blog Beitrag erst heute schreibe...


Die meisten von euch haben wohl mitbekommen, dass ich nach Tagen der Ungewissheit, meine Reise nach Jerusalem tatsächlich antreten konnte und wohlbehalten angekommen bin. Es war eine sehr strenge Zeit vor der Abreise, mit vielen Abschiedsbesuchen, gefühlten tausend Dingen, die noch zu erledigen waren, Nacht- und Spätdiensten bei der Arbeit, so dass ich die Reise am 30.4. übermüdet und erkältet antrat. Also beschloss ich, mich etwas auszuruhen und erst am Montag in die ADI-Kindertagesstätte zu gehen.


Als ich meiner Freundin das erste Bild geschickt habe, hat sie besorgt gefragt: "Du siehst so müde aus, geht es dir gut!?" Ich konnte ihr mit Überzeugung antworten, dass es mir gut geht und ich glücklich bin, dass ich jetzt tatsächlich unterwegs bin!


Nach meiner Ankunft am Donnerstagabend, wurde ich von Christine und Walter herzlich willkommen geheissen, verköstigt und durfte dann mein Zuhause beziehen. Das "Aslan"-Studio von 2023 hat sich zu einer Dreizimmerwohnung gemausert und ich fühlte mich sofort wieder zuhause. Einfach kalt war es, was im Sommer sehr angenehm ist, aber das liess sich mit Fliesdecke und Trainerhosen aushalten. Ich schlief in dieser Nacht fast 10 Stunden!


Auf dem linken Bild in der Mitte seht ihr den Schutzengel, den mir Sara 2023 (damals 4jährig) gebastelt und mit nach Israel gegeben hat, der ist auch jetzt wieder mitgekommen.


Schon am Samstag wurde ich spontan zum Zmittag bei einer befreundeten Familie und zum gemütlichen Beisammensein mit einer langjährigen Freundin am Abend eingeladen.

Am Sonntag traf ich mich mit einer anderen Freundin zum Mittagessen in der "First Station" (dem alten Bahnhof von Jerusalem) und wir wunderten uns, dass nur wenige Leute dort und viele Restaurants gar nicht geöffnet waren. Einige Minuten später, setzte ohrenbetäubender Lärm von einem Riesenbohrer auf der Grossbaustelle nebenan ein und wir wussten, warum die First Station so spärlich besucht war. Es scheint, als wäre Jerusalem eine riesige Baustelle. Die Bauarbeiten stocken wegen des Krieges und Arbeitermangel immer wieder und kommen teilweise nur langsam voran. Es werden zurzeit mehrere neue Tramlinien gebaut, was eine grosse Verbesserung im Vergleich zum staugeplagten Bus-ÖV sein wird - wenn sie dereinst einmal fertiggestellt und betriebsbereit sein werden.



Mein Bruder fragte mich, ob ich etwas von den Spannungen hier in der Region merke. Im Alltag spürt man eigentlich kaum etwas vom eben erst durch das fragile Waffenstillstands-Abkommen beendeten Krieg. Aber die Israelis sind noch zurückhaltender etwas im Voraus zu planen, als das ohnehin hier im Nahen Osten der Fall ist. Da ist eine merkliche Verunsicherung - man weiss ja nie, wann die diversen Konfliktherde wieder aufflammen und der Krieg von neuem losgeht... Ausserdem verschlechtert sich die wirtschaftliche Lage, immer mehr Leute haben finanzielle Probleme, was die Verarbeitung der Traumata der vergangenen Jahre nicht einfacher macht.


Am Montag hatte ich dann meinen ersten Arbeitstag in der ADI-Kita und es war wieder wie Heimkommen - aber dazu mehr in einem anderen Beitrag.

Das vergangene Wochenende (das ja hier Freitag/Samstag ist, die Woche beginnt am Sonntag) habe ich mit meiner Freundin Mor und ihrer Familie in Shoham (in der Nähe des Flughafens) verbracht. Die Begrüssung ihrer Hündin Lucy war überwältigend und jedesmal, wenn ich in mein Zimmer ging, folgte sie mir, um sicher zu gehen, dass ich nicht schon wieder abreise.

Am Sonntag fuhr ich mit dem Zug nach Haifa und besuchte Naomi (eine 92jährige Holocaustüberlebende, die ich letztes Jahr kennengelernt hatte).


Der Park bei der Wohnsiedlung von Mor ist wunderschön!


Die Schönheit der Natur täuscht über eine andere Realität von Israel hinweg: In den nahe gelegenen palästinensischen Autonomiegebieten wird Abfall auf illegalen Mülldeponien verbrannt (was ebenfalls illegal wäre) und da auf diesen Müllbergen unter anderem Elektroschrott, Chemikalien und diverse Kunststoffe entsorgt werden, werden Giftstoffe freigesetzt, die bei Nordostwind (der meist abends und nachts weht) internationale Grenzwerte um ein Vielfaches überschreiten. So schlimm, dass die Behörden die Bevölkerung von Shoham aufgefordert haben, die Häuser nach 20 Uhr bis am Morgen nicht zu verlassen, die Fenster zu schliessen und Lüftungen auszuschalten! Seit Monaten ist eine Bürgerinitiative in Kontakt mit den Behörden und fordert Massnahmen gegen diese gesundheitsgefährdende Luftverschmutzung. Aber es ist kompliziert, die Palästinensische Autonomiebehörde müsste einschreiten und Massnahmen ergreifen, diese hat jedoch kein Interesse daran, obwohl die Bewohner der palästinensischen Dörfer noch unmittelbarer betroffen sind als die Menschen in Shoham. Die israelischen Behörden schieben den Irankrieg und diverse andere Ausreden vor, um nicht aktiv werden zu müssen. Das ist bis zu einem gewissen Grad nachvollziehbar, da das Verhältnis zu den Palästinenserbehörden sehr angespannt und viel zusätzliches Konfliktpotenzial vorhanden ist.

 
 
 

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Kontakt:

Schweizer Freundesverein für ADI Israel

Kanalweg 5

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