12-Tage Krieg
- dvogel82
- 15. Feb.
- 12 Min. Lesezeit
Updates vom Irankrieg vom 13.-24. Juni 2025
Dagmar und Christian waren vom 6. bis 29. Juni '25 in Israel und haben hautnah miterlebt, was für die Israelis seit vielen Jahren, je nach Wohnort, immer wieder zum Alltag gehört - auch für die ADI-Familie.
13.6.25
Liebe Freunde!
Letzte Nacht hat Israel den Iran angegriffen und wir hatten zwei Alarme per Push-Nachricht. Heute Morgen ist es ruhig hier in Jerusalem, auf der Baustelle gegenüber wird ganz normal gearbeitet. Der Luftraum ist gesperrt und man muss auf Anweisungen der Behörden warten (es gibt eine entsprechende App) und ihnen folgen. Wir hatten eigentlich vor von heute bis Montag einen Ausflug in den Norden zu machen, bleiben aber natürlich jetzt hier in Jerusalem. Es geht uns gut und wir warten gespannt, wie sich die Situation entwickeln wird. Liebe Grüsse Dagmar und Christian
14.6.25
Liebe Freunde!
Hier ein Update zu unserer Situation: Ich denke, dass die Situation in den westlichen Medien dramatischer rüberkommt, als wir es hier wahrnehmen, aber die Lage ist sehr ernst! Uns geht es gut! Wir mussten letzte Nacht zwischen 20:40 und 01:15 einige Male in den Schutzraum, konnten ihn aber jeweils nach 10-15 Minuten wieder verlassen und danach war es ruhig. Unser Schutzraum ist hier im Haus und hat sogar eine Toilette! Die allermeisten Geschosse konnten von der Israelischen Armee abgefangen werden, aber an zwei Orten gab es direkte Einschläge. Leider sind im Grossraum Tel Aviv drei Todesopfer zu beklagen und um die 40 Verletzte. Im Norden wurden durch herabfallende, brennende Raketenteile Haus- und Buschbrände ausgelöst. Die Situation ist sehr ernst, aber wir fühlen uns hier in Jerusalem sicher! Ausserdem glauben wir fest, dass unser Leben in Gottes Hand ist und haben keine Angst. In dem schönen, grossen Haus, das wir hüten, mit Garten und Dachterrasse können wir uns entspannen und unsere Ferien trotz allem geniessen. Wir können nichts an den Umständen ändern, darum bringt es nichts, sich daran aufzureiben und sich in Angst und Schrecken versetzen zu lassen! Natürlich ist es schade, dass wir nun wohl viele unserer Freunde nicht besuchen können. Unsere Gedanken und Gebete sind bei all den Soldaten, die ihr Leben einsetzen, um Israel zu verteidigen, aber auch bei all den unschuldigen Opfern in diesem schrecklichen Konflikt! Eure Nachfragen, das Mitfiebern, eure Gedanken und Gebete berühren uns sehr! Aber uns geht es wirklich gut!
Seid gesegnet und lieb gegrüsst, Dagmar und Christian
15.6.25
Liebe Freunde!
Letzte Nacht war es hier in Jerusalem relativ ruhig, es gab Voralarm, aber wir mussten nicht in den Schutzraum. Im Grossraum Tel Aviv und einem arabischen Dorf östlich von Haifa hat es leider mind. 10 Tote und um 200 Verletzte gegeben. Einige Menschen werden noch vermisst. Wir nehmen einen Tag nach dem anderen und halten euch auf dem Laufenden! Liebe Grüsse, Dagmar und Christian
16.6.25
Liebe Freunde!
Letzte Nacht um 4 Uhr mussten wir wieder in den Schutzraum und haben wieder einiges „Donnergrollen“ gehört von den Abschüssen und Einschlägen. Leider hat es auch vergangene Nacht wieder direkte Einschläge gegeben und es sind Tote (min.8) und dutzende Verletzte zu beklagen. Gestern Nachmittag waren wir Kaffe trinken (mit süssen Beilagen natürlich) und einkaufen und es schien alles so normal, echt surreal. Es wird nicht gebaut auf den zahllosen Baustellen und hat viel weniger Verkehr, kaum ÖV und es sind weniger Menschen unterwegs. Jerusalem ist vielleicht der momentan sicherste Ort in Israel, da die Iraner auf keinen Fall riskieren wollen, die Islamischen heiligen Stätten, die al-Aqsa-Moschee und den Felsendom zu treffen. Da wäre dann wohl „ewiges Höllenfeuer“ zu erwarten statt „70 Jungfrauen im Paradies“…
Tausend Dank für euer MItgehen, Nachfragen, An-uns-denken und alle Gebete für Israel!
In herzlicher Verbundenheit, Dagmar und Christian
17.6.25
Liebe Freunde!
Nun waren wir hier in Jerusalem schon seit über 36 Std. nicht mehr im Schutzraum. Letzte Nacht gab es vereinzelte Raketeneinschläge, aber es kamen keine Menschen zu Schaden. Auf den Baustellen ringsherum wurde die Arbeit lautstark und staubig wieder aufgenommen, was wir gar nicht vermisst haben! Alle Flüge bis und mit 23.6. sind gestrichen und Schulen und nicht essentielle Betriebe geschlossen. Hier in Jerusalem sind aber viele Geschäfte geöffnet, die ich nicht als essentiell bezeichnen würde. Aber es gibt hier keine Zahlungen bei Erwerbsausfall, darum macht, wer kann, weiter. Liebe Grüsse, Dagmar und Christian
18.6.25
Liebe Freunde!
Letzte Nacht war es, bis auf einen Voralarm ohne Konsequenzen, ruhig. Im Norden gab es vereinzelt Sirenenalarm, jedoch ohne Einschläge. Der Luftraum bleibt weiterhin geschlossen, alle zivilen Flüge bis und mit Montag sind gestrichen. Heute haben Rückführungsflüge für im Ausland gestrandete Israelis begonnen, die ersten sind gelandet und die Sicherheitslage wird stündlich evaluiert. Christian war gestern Nachmittag in der Stadt. Die Altstadttore sind bewacht oder geschlossen und sehr viele Geschäfte im Stadtzentrum geschlossen. Eines meiner Lieblingscafés bietet z.B. nur Takeaway an. Es gilt offiziell immer noch Phase rot, in der nur lebensnotwendige Aktivitäten (wie dringende Einkäufe und Arztbesuche, Medizinische Pflege, Sicherheitskräfte…) erlaubt wären - das wird jedoch hier in Jerusalem relativ locker ausgelegt. Nach wie vor hat es kaum ÖV und nur wenig Verkehr auf den Strassen. Uns geht es nach wie vor gut und wir wissen uns zu beschäftigen. Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz hat am G7 Gipfel eine mutige Aussage gemacht, die uns aus dem Herzen spricht: „Das ist die Drecksarbeit, die Israel macht für uns alle!“ Auch viele Menschen aus dem Iranischen Volk sehen in den Angriffen Iraels einen Hoffnungsschimmer, dass sie vielleicht endlich von diesem Schreckensregime befreit werden, was sie jedoch nicht öffentlich äussern dürfen. In den Medien werden deshalb meistens nur die regimetreuen Aussagen verbreitet. Wir beten für die Befreiung des Iranischen Volkes aus seiner Unterdrückung und für Frieden in der Region, der menschlich gesehen weit weg und unmöglich erscheint. Aber Gott ist nichts unmöglich! Liebe Grüsse, Dagmar und Christian
19.6.25
Liebe Freunde!
Heute Morgen gegen 7 Uhr wurden wir wieder einmal von Sirenen geweckt und mussten in den Schutzraum hinunter. Wir hörten mehr und lautere Einschläge oder Abwehrgeräusche als in den vergangenen Tagen. Inzwischen wissen wir, dass es vier direkte Einschläge im Grossraum Tel Aviv und in Ber Sheva, wo das Soroka Spital getroffen wurde, gab. Wie durch ein Wunder gab es keine Toten! Ein Arzt aus dem Soroka Spital sagt: „Erst gestern wurde das alte Chirurgie-Gebäude evakuiert, das heute einen Volltreffer erlitten hatte. Es ist ein großes Wunder.“ Gott sei Dank, gibt es auch immer wieder solche „good news“! Am Sonntag konnte ein Holocaust Überlebender aus den Trümmern eines zerbombten Haus in Rechovot gerettet werden. Wie das wohl für ihn war, er der nach den Schrecken des 2.Weltkriegs in Israel Heimat und Zuflucht gefunden hatte!? Es kursieren auch diverse Videos, wie aus Trümmern gerettete Hunde ihren sichtlich bewegten Besitzern übergeben werden. Man könnte meinen, dass das „nur“ Tiere sind, aber für die ohnehin schon traumatisierte Seele vieler Israelis bedeutet es unglaublich viel, ihre geliebten Vierbeiner wieder bei sich zu haben! Liebe Grüsse, Dagmar und Christian
20.6.25
Liebe Freunde!
Letzte Nacht war es in den meisten Teilen des Landes ruhig. Eine liebe Freundin aus Haifa, Holocaustüberlebende, sagte mir heute Morgen, dass sie seit letzten Freitag das erste Mal wieder gut schlafen konnte! Gegen Morgen gab es einen Raketeneinschlag auf einem Parkplatz in Berscheva, der schwere Schäden an den umliegenden Häusern verursacht hat. Gott sei Dank gab es nur 7 leicht Verletzte. Wir hoffen auf ein ruhiges Wochenende und sind in unseren Gedanken und Gebeten bei allen notleidenden Betroffenen dieses Konflikts! Liebe Grüsse und Schabbat Schalom, Dagmar und Christian
21.6.25
Liebe Freunde!
Gestern Nachmittag um vier waren wir wieder einmal im Schutzraum und vergangene Nacht gab es einen Voralarm, auf den jedoch hier keine Sirenen folgten. In Haifa gab es wieder Verletzte durch einen Einschlag in ein leerstehendes Gebäude. In Holon, bei Tel Aviv brach auf dem Dach eines Wohnhauses ein Feuer aus, verursacht durch herunterfallende Teile einer abgewehrten Rakete, dort gab es keine Verletzten. Der iranische Aussenminister behauptet, sein Land entwickle keine Atomwaffen, die Atomanlagen dienten ausschliesslich zivilen Zwecken. Dabei gibt es mehr als genug Geheimdienstinformationen (nicht nur vom israelischen Mossad), welche das Gegenteil beweisen. Ausserdem macht Iran seit der islamischen Revolution 1979 keinen Hehl daraus, dass sein oberstes Ziel die Vernichtung Israels (und seiner Verbündeten!) ist. Es ist erwiesen, dass die Hamas für den Überfall auf Israel am 7.10.23 planerisch und finanziell massgeblich vom Iran unterstützt wurde. In einem Artikel vom 20.6.25 in der ZEIT schreibt Philipp Peymann Engel unter anderem: „Die Israelis – wohlgemerkt vom linken über das zentristische bis hin zum rechten Spektrum – wissen: lieber schlechte Presse als schöne Nachrufe.“ Und: „Nicht derjenige ist also der Aggressor, der angekündigt hat, einen Staat auszulöschen, und bislang auch alles dafür getan hat, um dieses Ziel zu erreichen, sondern der Angegriffene selbst. Würde das Blatt auch so argumentieren, wenn es sich bei dem angegriffenen Land nicht um Israel, sondern um die Schweiz handeln würde? Schwer vorstellbar.“ Der Artikel ist sehr lesenswert, hier der Link: https://www.zeit.de/kultur/2025-06/israel-angriff-iran-rechtmaessig-diskurs-voelkerrecht
Liebe Grüsse, Dagmar & Christian
22.6.25
Liebe Freunde!
Nach einem ruhigen Schabbat und ruhiger Nacht, erklangen heute Morgen wieder die Sirenen. Der Vergeltungsschlag von Iran für das Eingreifen der USA fiel jedoch mit „nur“ 27 Raketen moderat aus. Man merkt, dass die militärische Schlagkraft des Iran (auch wenn das offiziell verneint wird), geschwächt ist. Zu Beginn des Krieges wurden ja nach jedem israelischen Angriff hunderte Raketen in Richtung Israel abgefeuert! Der Luftraum ist wieder komplett geschlossen und bis morgen Abend gilt wieder Alarmstufe rot - was jedoch die Arbeiter der umliegenden Baustellen nicht daran hindert lärmend und staubig weiterzumachen. Iran hat an Gesprächen immer wieder klar gemacht, dass das Nuklearprogramm unantastbar sei. Es hätten in der Türkei sozusagen „last minute“ Verhandlungen stattfinden sollen. Diese kamen nicht zustande, weil der iranische Führer Chamenei nicht erreichbar war, um sein Ok. zu geben. Er kommuniziert aus Sicherheitsgründen nur noch über Kuriere und regelt seine Nachfolge. Der Glaube vieler internationaler (vorallem westlicher) Organisationen, Politiker und Diplomaten, dass sich das iranische Regime mit diplomatischen Mitteln umstimmen lassen würde, ist an Naivität kaum zu überbieten. „Der Westen“ und die UNO blenden dabei aus, dass sie genauso zu den Feinden des Islams gehört wie Israel und die USA. Weder die Palästinenserbehörden, Hamas und Hisbolla, noch der Iran haben je einen Hehl daraus gemacht, dass Israel zuerst ausgelöscht werden soll und danach die „anderen Ungläubigen“ dran sind. Ebenso wird die Tatsache verschwiegen, dass für diese islamischen Fanatiker Moslems, die einen moderaten Islam praktizieren, Verräter sind. Es gibt unzählige Berichte aus dem Iran, dass nicht nur Andersgläubige verfolgt werden, sondern auch Moslems, die sich den Vorschriften und der Gewaltherrschaft des Staates nicht 100% unterwerfen.
Trotz all dieser Entwicklungen geht es uns weiterhin gut und wir haben keine Angst! Aber wir leiden mit all den von diesem Konflikt direkt betroffenen Menschen und beten weiterhin für ein Ende des Krieges - auch wenn das menschlich gesehen wohl auch naiv ist ;-) Liebe Grüsse, Dagmar & Christian
23.6.25
Liebe Freunde!
Letzte Nacht schoss der Iran eine einzelne Rakete auf Israel ab, die jedoch abgefangen wurde ohne Schaden anzurichten. Heute Vormittag gab es nochmal an vielen Orten Alarm, als über ca. 40 Minuten um die 15 Raketen abgefeuert wurden. Es gab Einschläge, aber keine Berichte über Verletzte. Im Süden Israels wurde ein Elektrizitätswerk beschädigt, was in der Region zu Stromausfällen führte. Die Reparaturarbeiten laufen unter dem Schutz von Sicherheitskräften. Heute Morgen sind die ersten Rückführungsflüge aus Israel gelandet. Angeflogen werden 5 Destinationen in Europa, 2 in den USA und Bangkok. Es sind ca. 25‘000 Ausreisewillige für diese Flüge registriert, jedoch nur 50 Passagiere pro Flug erlaubt. Die Plätze werden nach dem Datum der gestrichenen Flüge oder medizinischer Notwendigkeit vergeben. Reguläre Flüge sind bis und mit 27.6. gestrichen und es würde uns erstaunen, wenn in den 6 Tagen bis zu unserem geplanten Rückflug der normale Flugbetrieb wieder aufgenommen würde. Gestern hat die Israelische Armee, in Zusammenarbeit mit dem Geheimdienst, die sterblichen Überreste von drei Geiseln aus Gaza nach Israel zurückgebracht. Das mag seltsam anmuten, dass man für Leichen diesen Aufwand inmitten des Krieges betreibt. Dazu muss man wissen, dass es im jüdischen Glauben wichtig ist, dass der ganze Körper eines Verstorbenen nach jüdischem Brauch bestattet wird, damit dieser im messianischen Zeitalter wieder als ganzes auferstehen kann. Die drei Geiseln wurden am 7. Oktober beim Morgenspaziergang, auf der Flucht vom Nova Festival und beim Versuch einen Kibbuz zu verteidigen ermordet und ihre Leichen nach Gaza entführt. Eine Leiche wurde, wie auf Überwachungsvideos sichtbar ist, von einem UNRWA Mitarbeiter auf einem Fahrzeug dieser Organisation nach Gaza gebracht.
Wir wünschen euch allen einen guten Wochenstart! Liebe Grüsse, Dagmar & Christian
24.6.25 Liebe Freunde!
Ich lese jeden Tag die „Losungen“. Das ist je ein Bibelvers aus dem Alten und aus dem neuen Testament. Sie werden seit 1728 von der Herrnhuter Brüdergemeinde für jeden Tag ausgelost und wurden von einem Mitglied der Bruderschaft in jedem Haushalt der Gemeinde vorgelesen. Seit 1731 gibt es eine gedruckte Version, für die am Ende des Vorjahres in einer grossen Versammlung („Brüder und Schwestern von jeder Klasse waren zugelassen“) alle Verse fürs kommende Jahr ausgelost wurden. Manchmal sprechen die Verse deutlich in meine Lebenssituation hinein: Gestern hatte ich vorübergehend meine innere Gelassenheit verloren, als mein Plan B (falls unser Flug vom 29.6. gestrichen würde), zur Heimreise von Amman über Athen nach Basel zu fliegen, sich in Luft aufgelöst hatte. Der Flug Amman- Athen wurde gestrichen. Ich regte mich auf und fürchtete, dass ich nun doch nicht rechtzeitig zum Nachtdienst (4.7.) zuhause sein werde. Ausserdem funktionierte es mit dem Antrag auf Rückerstattung nicht, was mich zusätzlich nervte. Und dann las ich heute Morgen folgenden Vers: Sprüche 3,5-6 „Vertraue von ganzem Herzen auf den HERRN und verlass dich nicht auf deinen Verstand. Denke an ihn, was immer du tust, dann wird er dir den richtigen Weg zeigen.“ Das traf mich sehr und ich merkte, dass ich versucht hatte, mich mit meinem Plan B abzusichern (was ja grundsätzlich nicht falsch ist!) und dann sehr enttäuscht war, dass es nicht so funktionierte, wie ich es mir vorgestellt hatte. Kurz danach kam die Meldung, dass Israel und Iran eine Waffenruhe vereinbart haben. So unsicher dieses Abkommen auch sein mag, es erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass unser Flug vom 29.6. stattfinden kann! Ich habe meine Perspektive wieder von meinen begrenzten eigenen auf Gottes unbegrenzte Möglichkeiten ausgerichtet und meine innere Ruhe zurückgewonnen. Trotzdem bereue ich es nicht, einen anderen Weg für die Heimreise gesucht zu haben - falls wir am Sonntag doch nicht fliegen können, habe ich wenigstens alles in meiner Macht stehende versucht. Es war nur falsch, mich so stark auf diesen Plan B zu fokussieren und mein Vertrauen in diese Lösung zu setzen. Nun warten wir gespannt darauf, wie sich die Lage entwickelt! Dass Iran kurz nach der Vereinbarung zur Waffenruhe nochmal eine Rakete auf den Norden Israels abgeschossen und das dann dementiert hat, zeigt, wie fragil dieses Abkommen ist. Wir wollen uns nicht entmutigen lassen und zuversichtlich bleiben!
Liebe Grüsse, Dagmar & Christian
25.6.25
Liebe Freunde!
Es ist unglaublich und so typisch israelisch, dass ein paar Stunden nach Aufhebung der ausserordentlichen Massnahmen (von Phase rot zu Phase grün), das Alltagsleben wieder vollumfänglich funktioniert! Sicher, in Ber Scheva, das kurz vor der Waffenruhe nochmal schlimm getroffen wurde, bleiben die Schulen noch geschlossen und für die von den Bombenangriffen direkt betroffenen Familien ist natürlich auch noch keine Normalität möglich. Aber da stellt sich die Frage, was in Israel normal ist! Sie leben seit es den Staat gibt mit mehr oder weniger unmittelbaren Bedrohungen von verschiedensten Seiten. Aber wie schon seit Jahrtausenden, rappelt sich das jüdische Volk immer wieder auf und versucht vorwärts zu schauen. Das finde ich bewundernswert! Momentan sieht es gut aus für unsere Heimreise am Sonntag, aber wir haben ja nun am „eigenen Leib“ miterlebt, dass sich die Situation über Nacht drastisch verändern kann - zum Guten wie zum Schlechten. Wir bleiben zuversichtlich und nutzen die neu gewonnene Freiheit für ein paar Besuche.
Seid lieb gegrüsst aus Israel, Dagmar & Christian
26.6.25
Liebe Freunde!
Heute sind wir nach Haifa gefahren und haben Naomi besucht, eine 91jährige Holocaustüberlebende, die ich im Februar kennenlernen durfte. Vorher waren wir noch auf dem Karmel und dort im „Educational Zoo“, wo ich vor 25 Jahren mit den Kindern und Freunden auf einem „Kindergartenreisli“ war! Auf dem Rückweg haben wir in Charisch Freunde besucht. Es war sehr schön, dass wir wenigstens diese zwei Besuche noch machen konnten! Vielleicht habt ihr von den brutalen Überfällen militanter jüdischer Siedler auf arabische Dörfer in der Westbank gehört. Das ist furchtbar und einige ultraorthodoxe Politiker der Regierung unterstützen und ermutigen diese Siedler auch noch. Alle Israelis, die ich kenne, verurteilen diese grausamen Taten und schämen sich für ihre Landsleute. Genau wie man wegen der Hamas nicht alle Palästinenser verurteilen soll, darf man auch nicht alle Israelis mit diesen radikalen Siedler in den gleichen Topf werfen! Es gibt überall „schwarze Schafe“!Morgen Vormittag werde ich nochmal in der ADI Kita mitarbeiten und die mitgebrachte Schokolade auf der Neonatologie vorbeibringen - leider konnte ich diesmal dort wegen des Krieges keinen Besuch machen. Christian wird das Mietauto zurückbringen. Dann heisst es putzen, aufräumen und packen für die Heimreise am Sonntagnachmittag.
Liebe Grüsse, Dagmar & Christian
27.6.25
Liebe Freunde!
Es war sehr schön nochmal einen Vormittag mit den süssen Kindern und meinen lieben Kolleginnen in der ADI Kindertagesstätte zu verbringen. Ich träume davon, vor meiner Pensionierung nochmal einen Einsatz dort zu machen! Das tut auch jedesmal meinem Hebräisch gut. Heute habe ich drei Kindern Geschichten erzählt, was mich ein bisschen herausgefordert hat. Aber ich war auch stolz, dass ich die allermeisten hebräischen Wörter wusste. Danach brachte ich die mitgebrachte koschere Schokolade auf die Neonatologie im Sha‘ari Zedek Spital. Sie haben sich sehr darüber gefreut.
Liebe Grüsse, Dagmar
28.6.25
Liebe Freunde!
Heute haben wir uns ausgetauscht darüber, wie wir diese ganz spezielle Zeit hier in Israel erlebt haben. Das mag seltsam klingen, aber für uns beide war es ein Privileg, während dieses 12-Tage Kriegs hier zu sein und hautnah mitzuerleben, was unsere Freunde hier immer wieder aushalten müssen. Obwohl wir nie Angst hatten, war es doch ein eigenartiges Gefühl, eine Situation, die wir nicht beeinflussen konnten, scheinbar passiv auszuhalten.
Wir als Schweizer (Westeuropäer) sind es nicht gewohnt, unsere eigenen Pläne aufzugeben und uns nach den Anweisungen der Behörden zu richten. Und wir Menschen mögen ganz generell keinen Kontrollverlust.
Ganz unvorbereitet waren wir nicht, denn wir lebten ja als Familie 1999/2000 hier in Jerusalem, als die zweite Intifada ausbrach. Damals wie heute konfrontierte Gott uns mit den Fragen: In wessen Hand liegt mein Leben? Was oder wer ist meine Sicherheit? Wem vertraue ich in herausfordernden Zeiten? Damals wie heute konnten wir alle drei Fragen mit „Gott“ beantworten. Es wurde uns wieder neu bewusst, dass unser Leben endlich ist und uns, wenn die Zeit gekommen ist, überall auf der Welt, auch zuhause im Bett, der Tod ereilen kann. Natürlich heisst das nicht, dass wir leichtsinnig sind und unnötige Risiken eingehen, wenn wir „gewöhnliche Touristen“ wären, würden wir zurzeit wahrscheinlich nicht nach Israel reisen.
Wir sind froh und dankbar, dass wir morgen Nachmittag wie geplant nachhause fliegen können. Aber ein Teil unserer Herzen würde gerne noch länger hierbleiben. Eure zahlreichen Ermutigungen, euer Nachfragen und Anteilnehmen und all die guten Wünsche und Gebete haben uns sehr gefreut und gestärkt! Was für ein Reichtum, einen solchen Freundeskreis haben zu dürfen - auch das ist für uns alles andere als selbstverständlich - herzlichen Dank euch allen!
Liebe Grüsse, Dagmar & Christian






























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