Einblick bei ADI Negev - Tag 2
- dvogel82
- 4. Juni
- 3 Min. Lesezeit

Nachdem ich am ersten Tag, müde von den vielen Eindrücken und Begegnungen, früh ins Bett gegangen war und wunderbar geschlafen hatte, klingelte um 7 Uhr der Wecker. Ich durfte in der Klinik auf der Neuro-Reha mit der Hotellerieverantwortlichen und einer Volontärin mithelfen, das Frühstück für die Patienten vorzubereiten und zu servieren. Ungefähr 30 Patientinnen und Patienten unterschiedlichen Alters und Gesundheitszustandes kamen in den Speisesaal und wurden je nach ihren Bedürfnissen und Vorlieben verköstigt. Manche von ihnen wurden von Assistenzpersonen begleitet, die ihnen beim Essen halfen, andere waren selbständig und wieder andere brauchten unsere Hilfe beim öffnen der Joghurtbecher oder Butter- und Konfitürenportionen. In Israel besteht das Frühstück neben Brot, Konfi, Honig, Quark oder Joghurt auch aus Gurken-Tomaten Salat, T'china (Sesampaste), Humus, Eiern (hartgekocht oder als Omlett) und hier in der Klinik noch aus einer Art Griessbrei-Suppe, auf die Zucker gestreut wird.
Um 10 Uhr durfte ich die Schule besuchen, bekam Einblick in mehrere Altersstufen. Sehr beeindruckt hat mich, wie Computertechnik und Künstliche Intelligenz eingesetzt werden, um den beeinträchtigen Kindern und Jugendlichen Kommunikations- und Gestaltungsmöglichkeiten zu schaffen. Ein Junge führte mir begeistert und stolz vor, wie er auf dem Tablet (manche Schüler bedienen es nur mit den Augen) eine Geschichte/Situation zusammenstellt, die dann von der KI in ein Bild umgewandelt wird. Es können Symbole für Personen, Tätigkeiten, Gegenstände, Orte usw. angewählt werden. Da werden teilweise lustige Bilder kreiert wie: "Mein Vater bereitet in der Synagoge Cheesecake zu..." Die Bilder werden dann auf einem grossen Bildschirm projiziert und für die Schüler ausgedruckt und in ihr ganz persönliches Geschichtenbuch eingeheftet.
Mit einer Klasse von 10-12 jährigen durfte ich "Ugat Gvina" (Cheesecake/Quarktorte) zubereiten. Das war Teil der Vorbereitungen auf das Schavuot-Fest (das Wochen- oder Pfingstfest findet 50 Tage nach Pessach statt und es werden der Empfang der 10 Gebote am Berg Sinai und die erste Weizenernte gefeiert), an dem traditionell vor allem Milchspeisen gegessen werden.
Um halb Zwölf holte mich Yaakov ab und wir fuhren zu einer Milchfarm im Moschav Gilat (ca. 6,5 km vom ADI Dorf entfernt), wo wir mit den Kindern und Betreuenden des integrativen Kindergartens (siehe Blogbericht Tag 1) zusammentrafen, die dort erfahren durften, woher die Milch kommt, aus der all die Köstlichkeiten zubereitet werden, die an Schavuot genossen werden. Ausserdem lernten sie, was Kühe fressen, welche Arbeiten auf diesem Bauernhof erledigt werden müssen und wie die Kühe gemolken werden. Es sind ganz andere Dimensionen auf dieser Farm, als wir es von unseren schweizer Bauernhöfen gewohnt sind. Hunderte von Kühen und Kälbern leben dort und da es in Israel nur im Frühling kurz grünes Gras gibt, fressen sie vorwiegend selbst hergestelltes Getreidefutter und etwas Heu. Die Melkanlage ist beeindruckend und die Kühe begeben sich selbständig an einen Melkplatz, ganz ohne Gerangel und Gedränge. Wenn sich eine Gruppe von Kühen positioniert hat, wird ihr Euter von Mitarbeitenden gesäubert und die Melkmaschine angehängt. An der Digitalanzeige bei jedem Melkstand wird angezeigt, wieviele Liter Milch die jeweilige Kuh gegeben hat, die Melkmaschine wird abgenommen, die Kühe marschieren wieder geordnet zurück in den offenen Laufstall und die nächste Gruppe rückt nach. Zum Abschluss des Ausflugs gab es Glace und Getränke für alle, bevor es wieder zurück ins ADI Dorf ging. Ich finde es toll, dass kein Aufwand gescheut wird, den Kindern solche besonderen Erlebnisse zu ermöglichen! Es mussten zum Beispiel Rollstühle über Hindernisse gehievt werden, wobei Mitarbeitende der Farm tatkräftig mit anpackten.
Nach einem feinen Lunch aus der Cafeteria konnte ich mich ein wenig ausruhen, bevor ich gegen 16 Uhr abgeholt wurde, um Bewohnerinnen von zwei Wohngruppen bereit zu machen und in die Sporthalle der Reha Klinik zu bringen, wo sie mehrere Tänze vorführten, die sie mit ihrer Tanzlehrerin (siehe unten mit rotem Oberteil) einstudiert und fleissig geübt hatten. Publikum waren Angestellte, Volontärinnen und Patientinnen und Patienten der Reha Klinik. War das eine Aufregung! Die Girls waren fein herausgeputzt in weissen Tüllröcken und Oberteilen, mit Blumenkränzen im Haar und platzten fast vor Vorfreude und Stolz. Am Rand der Tanzaufführung traf ich vier "Therapieclowninnen" von ADI, die ebenfalls zum begeisterten Publikum gehörten. Die Tänzerinnen wurden mit grossem Applaus und Standing Ovation für ihre tolle Darbietung belohnt.

Nachdem wir alle Bewohnerinnen wieder nachhause gebracht hatten, gönnte ich mir einen Kaffee und eine Glace, holte mir etwas zum Nachtessen, duschte und schrieb Tagebuch, bevor ich erschöpft von der Hitze und den unzähligen Eindrücken ins Bett fiel und sofort einschlief.




















































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