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Elul und Rosch HaSchana

dvogel82
11. Sept.
4 Min. Lesezeit

Im jüdischen Monat Elul ist der König (Gott) symbolisch „im Feld“, was eine Zeit besonderer göttlicher Nähe, Barmherzigkeit und der Vorbereitung auf die Hohen Feiertage (Rosch ha-Schana und Jom Kippur) bedeutet. Anders als im unzugänglichen Palast auf dem Thron kommt Gott den Menschen im Monat Elul auf dem Feld entgegen, wo sie ihren Alltag verbringen. Er zeigt ein lächelndes Gesicht, ist leicht zu erreichen und empfängt jeden mit Wohlwollen, ohne dass formelle Hürden nötig sind. Es ist eine Einladung zur Umkehr: Die Metapher ruft dazu auf, den ersten Schritt auf IHN zuzugehen, innezuhalten und das eigene Leben zu überdenken.


Elul ist der letzte Monat im jüdischen Jahr. Am Abend des 11. September 2026 mit dem Sonnenuntergang beginnt das jüdische Jahr 5787.

Der jüdische Kalender heißt "Luach". An seiner Zeitrechnung sind der Mond und die Sonne beteiligt.

Der Tag beginnt und endet im Judentum am Abend, wenn die ersten drei Sterne am Himmel zu sehen sind. Im Schöpfungsbericht in der Bibel heißt es nämlich: „Und es wurde Abend und es wurde Morgen: der erste Tag.“ Das steht im 1. Buch Mose 1,5. und sogar in der christlichen Tradition gibt es Beispiele dafür, dass diese Einteilung ursprünglich von der jüdischen Mutterreligion übernommen wurde: "Heilig-Abend" ist der Vorabend des Weihnachtsfestes und der Sonnabend (Samstag) der Vorabend des Sonntags.

Die Woche im jüdischen Kalender hat 7 Tage und beginnt mit dem Sonntag. Die Wochentage des Luach haben keine Namen. Sie werden einfach gezählt wie zur Zeit der Bibel. Der Sonntag, "Jom Rischon", heißt zum Beispiel "erster Tag".  Nur der 7. Tag hat einen Namen: Er heißt Schabbat und ist im Judentum heilig. Es ist ein Ruhetag nach der Arbeitswoche (so wie Gott nach den sechs Schöpfungstagen geruht hat 1. Mose 2,3), ein Tag der Erholung, des Zusammenseins mit Familie und Freunden und der Ausrichtung auf Gott, unter anderem in besonderen Gottesdiensten und Gebetstreffen.

Die Monate des Luach richten sich nach dem Mond. Sie dauern so lange wie eine Mondphase zwischen zwei Neumonden. Das sind genau 29 Tage, 12 Stunden und 44 Minuten. Da ein Tag aber immer 24 Stunden haben muss, gibt es Monate mit 29 oder 30 Tagen. Die Namen der Monate lauten: 

Tischri (September – Oktober) 30 Tage / Cheschvan (Oktober – November) 29 bzw. 30 Tage / Kislew (November – Dezember) 30 bzw. 29 Tage / Tewet (Dezember – Januar ) 29 Tage / Schwat (Januar – Februar) 30 Tage / Adar (Februar – März) 29 Tage / Nisan (März – April) 30 Tage / Ijar (April – Mai) 29 Tage / Siwan (Mai – Juni) 30 Tage / Tammus (Juni – Juli) 29 Tage / Aw (Juli – August) 30 Tage / Elul (August – September) 29 Tage.

Das Jahr im jüdischen Kalender beginnt am 1. Tischri. Dieser Tag pendelt im Herbst zwischen September und Oktober. Das jüdische Jahr wird nämlich nach dem Mond und der Sonne berechnet. Die 12 Mond-Monate haben zusammen 354 oder 355 Tage, also 10 bis 11 Tage weniger als ein Sonnenjahr. Im islamischen Kalender wandern die Monate darum im Laufe der Jahre durch alle Jahreszeiten. Im jüdischen Luach ist das anders. Dort gibt es innerhalb von 19 Jahren sieben Schaltjahre mit je einem Zusatzmonat. Er sorgt dafür, dass sich die Tage auf dem Luach gegenüber dem Sonnenjahr des Weltkalenders nie mehr als 30 Tage verschieben. Der Zusatzmonat geht dem Monat Adar voraus. Er heißt Adar 1 und liegt im Gregorianischen Kalender im Februar oder März. Die Feiertage im Frühling liegen auch in den Schaltjahren im Adar 2, nicht im zusätzlichen Monat.


Rosch HaSchana - Kopf des Jahres
Rosch HaSchana - Kopf des Jahres

An diesem Tag im Herbst, blicken praktizierende Juden auf das vergangene Jahr zurück. Die zehn Tage bis zum Versöhnungstag Jom Kippur dienen der Besinnung und Reflektion, dem Gebet, der Wohltätigkeit sowie der Busse und Bitte um Vergebung. Doch auch die Vorfreude auf das neue Jahr hat an Rosch ha-Schana ihren festen Platz: Feierlich wird das Schofar geblasen, das aus dem Horn eines Widders oder einer Antilope gemacht ist. Außerdem tunkt man Äpfel in Honig und wünscht sich und seinen Lieben ein „süßes“ neues Jahr. Es ist ein Heiliger Feiertag, an dem man, wie am Schabbat, keine mühevolle Arbeit verrichten soll.

Rosch Ha Schana, auch „Jom Teruah - Tag des Posaunenschalls" genannt, wird am ersten Tag des Monats Tischri gefeiert. In der Bibel finden wir ihn im 3. Buch Mose 23,24. Wer die Bibelstelle nachliest, wird sich vielleicht wundern, dass dort steht: "Im siebten Monat, am ersten Tag..."Der erste Tag des neuen Jahres müsste doch im ersten Monat gefeiert werden. Das liegt daran, dass in der Bibel der Frühlingsmonat Nissan als erster Monat des Jahres bezeichnet wird - er ist mit Pessach der Beginn des religiösen Jahres. In biblischer Zeit nutzte man parallel dazu einen wirtschaftlichen/bürgerlichen Kalender, in dem das Jahr mit dem Monat Tischri beginnt. Während und nach dem babylonischen Exil (ab dem 6. Jahrhundert v. Chr.) galt dieser als ziviler Kalender, was in der rabbinischen Literatur des 2. Jahrhunderts n. Chr. festgeschrieben wurde.


Nachfolgend einige traditionelle Speisen, die an Rosch HaSchana aufgetischt werden, wobei es je nach Herkunft und religiöser Zugehörigkeit viele unterschiedliche Traditionen und Rezepte gibt.

Die wichtigsten traditionellen Speisen und ihre Bedeutungen:

  • Apfel in Honig: Ein Stück Apfel wird in Honig getaucht. Das steht für den Wunsch nach einem guten, „süßen“ neuen Jahr (Schana towa u'metuka).

  • Honigkuchen: Steht ebenfalls für den Wunsch nach einem süssen neuen Jahr.

  • Runde Challa: Das traditionelle Festtagsbrot wird zu Rosch haSchana rund gebacken (oft mit Rosinen). Die Kreisform symbolisiert den ewigen Kreislauf des Jahres und die Vollkommenheit.

  • Granatapfel: Die vielen Kerne des Granatapfels stehen für Fülle. Man wünscht sich, dass die eigenen guten Taten und Verdienste im neuen Jahr ebenso zahlreich sind wie diese Kerne.

  • Karotten (Mern): In der aschkenasischen Tradition isst man Karotten (auf Jiddisch Mern, was auch „mehr“ bedeutet), um sich zu wünschen, dass sich Segen, Glück und gute Taten im neuen Jahr vermehren.

  • Fischkopf oder Schafskopf: Oft serviert man den Kopf eines Fisches (oder eines Schafs bzw. einen symbolischen Ersatz). Er steht für den Wunsch, „Kopf und nicht Schwanz zu sein“ – also führend, vorausschauend und erfolgreich zu handeln statt nur mitläuferisch.

  • Weitere symbolische Speisen (Simanim): Je nach regionaler Tradition (besonders im sephardischen und nordafrikanischen Raum) kommen auch Datteln, Lauch, Randen, Kürbis oder Schwarzaugenbohnen auf den Tisch. Ihre hebräischen oder aramäischen Namen klingen ähnlich wie Worte für gute Wünsche (z. B. Schutz vor Widersachern oder ein Ende des Misserfolgs).



 
 
 

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