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Verletzlich sein: Krebs, Chemo und eine verständnisvollere Weltsicht

  • dvogel82
  • 3. Aug.
  • 3 Min. Lesezeit
Gedanken und Reflektionen von Elie Klein
Gedanken und Reflektionen von Elie Klein

Elie Klein ist Leiter der Abteilung für Spendenwesen und Sponsoring von ADI und zuständig für Nordamerika.

Ich durfte Elie im Rahmen meiner Einblickstage bei ADI Negev kennenlernen und war fasziniert von seiner offenen, zugewandten, feinfühligen und freundlichen Art. Seine Leidenschaft für Inklusion, Gleichberechtigung und freien Zugang für Menschen mit Behinderungen ist ansteckend und sein (internationales) Engagement ist bewundernswert. Man fühlt sich in seiner Gegenwart wahrgenommen und wohl.


Nun lasse ich Elie selbst zu Wort kommen:


"Waren Sie jemals so verletzlich, dass Sie oft auf die Hilfe anderer angewiesen waren?

Haben Sie jemals gegen Schmerzen und Zweifel angekämpft, um Ihre Mobilität und Unabhängigkeit zurückzuerlangen?


Bis vor Kurzem hatte ich keine Ahnung, was das bedeutet. Doch während Sie dies lesen, kämpfe ich gegen Darmkrebs im Stadium IV, und Verletzlichkeit ist zu meiner Lebensrealität geworden.


Obwohl ich mit der Hoffnung und dem Licht vieler guter Tage gesegnet bin, werde ich an meinen schwachen Tagen oft von Angst und Dunkelheit überwältigt. Während der Krebs und die Chemotherapie in mir kämpfen, reagiert mein Körper nicht einmal mehr auf einfachste Anweisungen, und ich bin vollständig auf die Hilfe anderer angewiesen, insbesondere während der Schmerzattacken, die ich kaum mit Worten beschreiben kann.


Und dennoch fühle ich mich ermutigt.


Nachdem ich jahrelang die beeindruckenden Geschichten von heldenhaften Familien erzählt habe, die mit Behinderung leben oder von ihr betroffen sind, verstehe ich schlussendlich, was es heisst, verletzlich zu sein. Es ist nicht länger nur ein Wort; es ist meine eigene Erfahrung und eine Auszeichnung.


Ich habe nun Einblick in die Herausforderungen unserer Bewohner und Schüler. Jetzt verstehe ich die Zweifel, die unsere Rehabilitationspatienten plagen. 


Auch meine Wertschätzung für das einzigartige Zuhause und die ausserordentliche, unterstützende Gemeinschaftsfamilie, die wir bei ADI – einer Einrichtung für Rehabilitation, Bildung und Betreuung von Menschen mit Behinderung in Israel – geschaffen haben, ist tiefer geworden.


Wenn man verletzlich ist, bedeutet einem liebevolle und auf die individuellen Bedürfnisse zugeschnittene Unterstützung alles. Mehr denn je staune ich über die wunderbare Art und Weise, wie unsere engagierten Fachkräfte und hingegebenen Freiwilligen unsere ADI Familienmitglieder so pflegen und umsorgen, dass ihre Ängste gemildert, ihre Stärken hervorgehoben und sie ausgerüstet werden für ihren weiteren Weg - genau so, wie sich meine eigene Familie jetzt um mich kümmert.


Während ich die Demütigung meiner körperlichen Einschränkungen ertrage, mit dem geistigen Nebel meines "Chemo-Gehirns" kämpfe und mit einer Art Identitätsverlust ringe, gewinne ich gleichzeitig die Gabe einer neuen Perspektive und bin dafür unendlich dankbar. Natürlich wünsche ich niemandem diese qualvolle Erfahrung, möchte aber die damit einhergehenden Erkenntnisse unbedingt mit allen teilen.


Als ersten Schritt bitte ich Sie, liebe Leserin, lieber Leser, Ihren Geist zu öffnen und Ihr Herz zu erweitern, indem Sie sich auf die folgenden Prinzipien zur Perspektivenänderung einlassen:


Reflektieren Sie die "Realität von Behinderung". Jeder von uns wird im Laufe seines Lebens mit Behinderung in Berührung kommen, einfach weil wir Menschen sind. Behandeln Sie daher diejenigen, die verletzlich sind, mit Annahme und Respekt, so wie Sie es sich für sich selbst und Ihre Lieben wünschen.


Sprechen Sie mit den älteren Menschen in Ihrem Umfeld und fragen Sie sie, ob sie Hilfe benötigen und, falls ja, in welcher Form sie diese erhalten möchten.


Lassen Sie Rollstuhlfahrenden und gehbehinderten Menschen auf Trottoirs und in Aufzügen den Vortritt. Achten Sie auf Rollstuhlfahrende und Gehbehinderte, wenn Sie sie zu Fuss oder als Radfahrer überholen. Sie sind Menschen, keine Hindernisse, und sie verdienen Ihre Rücksichtnahme.


Respektieren Sie die für Menschen mit Behinderungen reservierten Sitzplätze und Parkplätze und blockieren Sie diese nicht - auch nicht für kurze Zeit. Dies sind nicht nur irgendwelche "Orte", sondern wichtige Ressourcen für Menschen mit Behinderungen und hart erarbeitete soziale Errungenschaften.


Machen Sie sich bewusst, dass die Welt ein sehr unzugänglicher Ort ist, und tun Sie, was Sie können, um diese ungerechte Realität zu verändern – angefangen bei Ihren Gemeinden, Supermärkten und Schulen.


Stellen Sie sich vor, wie erfreulich das Leben sein könnte, wenn wir alle Freundlichkeit und Mitgefühl zu unserer Grundeinstellung machen würden.


Ob wir mit einer Behinderung geboren wurden, einen Unfall erleiden, gegen eine Krankheit kämpfen oder das Glück haben, ein hohes Alter zu erreichen – wir alle werden irgendwann mit Einschränkungen konfrontiert werden. Wenn wir die Realität unserer gemeinsamen Menschlichkeit anerkennen, werden wir unsere eigenen Herausforderungen mit Würde meistern, die Welt durch die Brille des Mitgefühls betrachten und mit der kostbaren Gelegenheit gesegnet sein, sie zum Besseren zu verändern."


"Die Hoffnung sieht, dass es trotz aller Dunkelheit Licht gibt."
"Die Hoffnung sieht, dass es trotz aller Dunkelheit Licht gibt."

 
 
 

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Kontakt:

Schweizer Freundesverein für ADI Israel

Kanalweg 5

CH - 3125 Toffen BE

ch-freunde_adi@hotmail.com

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