top of page

Interview von Juni 2026 mit Noa Litt

2. Juni 2026

Ich habe 2023 eng mit Noa zusammen gearbeitet, als sie mich für die physiotherapeutischen Übungen mit meinem damaligen Bezugskind Avi (siehe Blogbeitrag vom 25.5.2023) angeleitet hat. Sie kann unglaublich gut erklären und Sinn und Ziel der Übungen vermitteln. Sie war damals in einer Weiterbildung und hat mich beim Spielen und bestimmten Übungen mit Avi gefilmt für eine Fallstudie im Rahmen einer ihrer Arbeiten. Ich bewundere Noa's Hingabe und Begeisterung für ihre Arbeit und den liebevollen, motivierenden Umgang mit den Kindern.


Wie lange arbeitest du schon bei ADI und was ist deine Funktion?

Ich arbeite seit zehn Jahren als Physiotherapeutin bei ADI Jerusalem. Ich arbeite hauptsächlich mit Säuglingen und Kleinkindern mit besonderen Bedürfnissen im Rahmen des Rehabilitations-Tagesbetreuungsprogramms, die zwischen sechs Monaten und drei Jahren alt sind. Früher habe ich auch mit älteren Kindern im Schulprogramm von ADI gearbeitet. Zu meinen Aufgaben gehören Entwicklungsbeurteilungen, Behandlungssitzungen und die Unterstützung von Familien als Teil eines multidisziplinären Teams.


Was gefällt dir besonders bei deiner Arbeit?

Was mir an meinem Job am besten gefällt, ist das Arbeiten mit Kindern. Selbst nach vielen Jahren in diesem Bereich lerne ich jedes Jahr neue Kinder kennen und spüre immer wieder eine neue Verbindung zu ihnen. Es macht mir grosse Freude, zu jedem Kind eine bedeutsame und fürsorgliche Beziehung aufzubauen. Ausserdem empfinde ich es als sehr bereichernd, ihre Fortschritte zu sehen und zu beobachten, wie sie im Laufe der Zeit neue Fähigkeiten entwickeln. Darüber hinaus macht es mir Freude, eng mit ihren Familien zusammen zu arbeiten und herauszufinden, welche Prioritäten sie haben und was ihnen wichtig ist.

Ein weiterer Aspekt meiner Arbeit, den ich sehr schätze, ist die Zugehörigkeit zu einem multidisziplinären Team und die Zusammenarbeit mit anderen Fachleuten. Wir arbeiten gemeinsam auf klare und konkrete Ziele hin, und es ist sehr befriedigend zu sehen, wie die Kinder Fortschritte machen und diese Ziele erreichen. Diese Kombination aus der Arbeit mit Kindern, Familien und einem professionellen Team macht meine Arbeit sehr sinnvoll und erfüllend.


Was findest du herausfordernd in deiner Arbeit?

Eine der grössten Herausforderungen in meiner Arbeit besteht darin, therapeutisches Wissen und Strategien an das Team der Kindertagesstätte weiterzugeben, welches täglich mit dem Kind arbeitet, wie beispielsweise die Pädagoginnen und Assistenzkräfte. Da ich nicht ständig beim Kind sein kann, muss ich sicherstellen, dass sie die Behandlungsziele verstehen und wissen, wie sie die therapeutischen Ansätze im Rahmen der täglichen Routinen und Aktivitäten umsetzen können. Dies erfordert ausgeprägte Kommunikationsfähigkeiten, klare Erklärungen und die Fähigkeit, fachliche Konzepte in praktische Anleitungen umzusetzen.

Eine weitere Herausforderung kann die Zusammenarbeit mit Familien sein, wenn deren Erwartungen oder Ziele manchmal von meiner fachlichen Einschätzung der Bedürfnisse und Fähigkeiten des Kindes abweichen. In solchen Situationen ist es wichtig, Vertrauen aufzubauen, aufmerksam zuzuhören und offene und respektvolle Gespräche zu führen, um die Perspektive der anderen besser zu verstehen und gemeinsam auf realistische und sinnvolle Ziele für das Kind hinzuarbeiten.


Gibt es ein Erlebnis, das du nie mehr vergessen wirst?

Es gab einen Fall, der mich sehr tief bewegt hat und den ich nie vergessen werde. Es handelte sich um ein Kind, das eine sehr komplizierte Geburt erlebt hatte und bei dem eine Zerebralparese diagnostiziert wurde, mit geringem Funktionsniveau, erheblichen Atemproblemen, Kommunikationsschwierigkeiten, eingeschränkten Spielfähigkeiten und schweren motorischen Beeinträchtigungen. Die Eltern waren sehr engagiert, aber die Kommunikation mit ihnen war schwierig, insbesondere mit dem Vater. Sie nahmen zudem private Massnahmen in Anspruch, die nicht mit unserem physiotherapeutischen Behandlungsplan abgestimmt waren und von denen das Kind meiner fachlichen Meinung nach nicht immer profitierte.

Ich bat den Vater um ein Gespräch und versuchte, strukturiert und respektvoll auf seine Bedenken einzugehen. Er äusserte grosse Wut und Frustration gegenüber dem medizinischen und therapeutischen System sowie ein allgemeines Misstrauen. Ich hörte ihm aufmerksam zu und ging dann auf jeden seiner Punkte einzeln ein, wobei ich meine klinische Argumentation geduldig erklärte, auch wenn es für mich emotional eine Herausforderung war.

Im Laufe des Gesprächs wurde der Dialog viel offener und ehrlicher. Er erzählte mehr über die emotionalen Schwierigkeiten nach der Geburt, und nach und nach konnten wir Vertrauen aufbauen. Am Ende erklärte er sich bereit, unseren Behandlungsplan wie empfohlen zu befolgen, und wir entwickelten eine sehr gute Arbeitsbeziehung. Diese Erfahrung hat mich viel über Kommunikation, Empathie und die Wichtigkeit des Zuhörens vor dem Erklären gelehrt.





Kontakt:

Schweizer Freundesverein für ADI Israel

Kanalweg 5

CH - 3125 Toffen BE

ch-freunde_adi@hotmail.com

bottom of page