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Gedenken und Feiern - Trauer und Freude

2. Mai 2026

Am 21. April beging Israel den "Jom haSikkaron", den "Gedenktag" für die Gefallenen im Krieg und Opfer von Terror und am Tag darauf wird der "Jom haAzma'ut", der israelische "Unabhängigkeitstag", gefeiert. Diese beiden Nationalfeiertage werden nach dem jüdischen Kalender am 4. und 5. des Monats Ijar begangen. Deshalb finden sie nach unserem gregorianischen Kalender jedes Jahr an einem anderen Datum statt. In Israel sind seit der Staatsgründung 1948 Krieg und Terror auf der einen und die Freiheit eines eigenen Staates, einer Heimat für jüdische Menschen auf der anderen Seite, Alltagsrealität. Ursprünglich hatten die Briten, als damalige Kolonialmacht in "Palästina" den Juden einen eigenen Staat in den Grenzen der sogenannten "Balfour-Erklärung" versprochen, welche die heutigen "besetzten Gebiete" einschloss. 1939 machte der damalige Premier Chamberlain jedoch die folgenschwere Aussage: Man wolle die Araber (welche die Briten mehr fürchteten als die Zionisten) nicht vollends verärgern, sondern stattdessen lieber die Juden kränken. Die völlig überforderte britische Kolonialmacht zog am Tag der Unabhängigkeitserklärung (14.5.1948) ihre letzten Truppen ab und seither ist Israel Schauplatz von Kriegen und Terroranschlägen mit grausamen Folgen und unendlichem Leiden für alle Betroffenen.
Dieser kleine politische Exkurs soll dazu dienen, die Bedeutung dieser beiden Nationalfeiertage für Israel besser zu verstehen.

Die ADI-Zentren im Negev und in Jerusalem begingen den Jom haSikkaron mit Stille, Besinnung und sehr persönlichen Gedenkgesten. Menschen unterschiedlichster Herkunft und mit unterschiedlichen Fähigkeiten kamen zusammen, um die Frauen und Männer zu ehren, die in Israels Kriegen und durch Terrorakte ihr Leben verloren haben. Jede entzündete Gedenkkerze trug eine Geschichte von Liebe, Verlust und vorzeitig beendetem Leben in sich, doch gemeinsam bildete ihr Licht ein kraftvolles Symbol für Einheit, Widerstandskraft und unerschütterliche Hoffnung.

Bei ADI Jerusalem sorgte eine Reihe sorgfältig angepasster Zeremonien für Schüler und junge Erwachsene für eine sinnvolle Beteiligung aller. Mit speziellen Schaltern wurde die Flagge auf Halbmast gesenkt und elektrische Gedenkkerzen entzündet. Ein besonders bewegender Moment war, als die Bewohner in einem Musikensemble mitwirkten, während Videosequenzen zum Nachdenken auf einer großen Leinwand für alle sichtbar projiziert wurden.

Bei Jom haSikkaron geht es nicht nur um Trauer; es geht um Verbundenheit. Es geht darum, sicherzustellen, dass die Erinnerung zugänglich ist, geteilt wird und in jedem Einzelnen lebendig bleibt, unabhängig von seinen Fähigkeiten. Es geht darum, die Geschichten der Verstorbenen weiterzutragen – nicht in Stille, sondern durch Handeln, Inklusion und unerschütterliches Bekenntnis zum Leben.

Mögen diese Erinnerungen immer ein Segen sein.



Nach diesen besinnlichen Feierlichkeiten folgte am nächsten Tag ein ausgelassenes Fest zum Jom haAzmaut, dem israelischen Unabhängigkeitstag. So nahe liegen Leid und Freude in Israel beeinander. Und wenn man sein Heimatland seit bald 8 Jahrzehnten immer wieder verteidigen muss, weil ihm das Existenzrecht von verschiedenen Seiten abgesprochen wird, dann feiert man diesen Tag mit einem ganz anderen Bewusstsein. Bei uns in den westeuropäischen Ländern werden Patrioten, die ihr Land mit Überzeugung lieben und feiern, oft belächelt oder misstrauisch beäugt. Dabei täten wir vielleicht gut daran, unsere immer noch sehr "heile Welt" nicht als selbstverständlich anzusehen. Auch wenn in Israel und natürlich auch hier bei uns vieles im Argen liegt und es eindeutig noch viel Veränderungspotential gibt, hat Heimat(land) eben viel mit Identität und Kultur zu tun. Wenn wir also unser Heimatland lieben und feiern, heisst das nicht zwingend, dass wir alles gut finden was ist und geschieht und setzen uns (hoffentlich) für positive Veränderungen ein, so wie das bei ADI tagtäglich und oft unter schwierigen Umständen gelebt wird.


Kontakt:

Schweizer Freundesverein für ADI Israel

Kanalweg 5

CH - 3125 Toffen BE

ch-freunde_adi@hotmail.com

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